Eigenbluttherapie superadmin 22. Februar 2026

Eigenbluttherapie (ACP/PRP)

Körpereigene Wachstumsfaktoren zur Unterstützung der Heilung

Schmerzen durch Arthrose, Überlastungsbeschwerden wie Tennisellenbogen (Epicondylitis) oder Fersenschmerz/Fersensporn, aber auch Verletzungen von Sehnen, Bändern und Muskeln können die Beweglichkeit deutlich einschränken. Neben Physiotherapie, Trainingstherapie und weiteren bewährten Maßnahmen kommt in ausgewählten Fällen eine Behandlung mit Eigenblut infrage – häufig als ACP-Therapie oder PRP (Platelet-Rich Plasma) bezeichnet.

Wichtig: Wie bei vielen orthopädischen Verfahren gilt auch hier, dass der Nutzen von Diagnose, Ausprägung und individuellen Faktoren abhängt. Eine sorgfältige Abklärung und realistische Zielsetzung sind entscheidend.

Was ist ACP/PRP (Eigenbluttherapie)?

Bei der Eigenbluttherapie wird Blut aus der Vene entnommen und so aufbereitet, dass ein plättchenreiches Plasma entsteht. Blut besteht aus Plasma (Flüssigkeit) sowie Blutzellen; Blutplättchen (Thrombozyten) spielen nicht nur bei der Blutgerinnung eine Rolle, sondern enthalten auch zahlreiche Proteine/Wachstumsfaktoren, die an Heilungsprozessen beteiligt sein können.

ACP („autologous conditioned plasma“) ist eine gebräuchliche Form der PRP-Aufbereitung: Das System dient der Herstellung von autologem thrombozytenreichem Plasma (PRP) aus einer kleinen Blutmenge direkt in der Ordination.

Wie läuft die Behandlung ab?

Typischer Ablauf (vereinfacht):

  1. Blutabnahme: meist ca. 10 ml aus einer Vene (wie bei einer normalen Blutabnahme).
  2. Zentrifugation: Das Blut wird zentrifugiert, sodass Blutzellen und Plasma getrennt werden. Das aufbereitete Plasma enthält – je nach Verfahren – relativ mehr Blutplättchen.
  3. Injektion: Das Plasma wird steril in die betroffene Region injiziert (z. B. Gelenk, Sehnenansatz, Weichteilregion). Je nach Befund kann die Injektion ultraschallgezielt erfolgen.

Je nach Indikation werden häufig mehrere Sitzungen geplant (z. B. 1–3 Injektionen), meist im Abstand von Tagen bis wenigen Wochen – individuell angepasst.

Typische Anwendungsbereiche in der Orthopädie

Die Eigenblut-/ACP-Therapie wird vor allem dort eingesetzt, wo Reizung, Überlastung oder degenerative Veränderungen eine Rolle spielen – unter anderem bei:

  • Arthrose (z. B. Knie)
  • Epicondylitis (Tennis-/Golferellenbogen)
  • Fersenschmerz/Fersensporn (häufig im Zusammenhang mit Plantarfasziopathie)
  • Verletzungen/Überlastung von Bändern, Muskeln und Sehnen (je nach Art/Schweregrad)

Ob ACP/PRP sinnvoll ist, hängt stark davon ab, welches Gewebe betroffen ist (Gelenk vs. Sehne), wie ausgeprägt die Veränderung ist und welche Begleittherapien möglich sind.

Was sagt die Studienlage?

Kniearthrose

Für PRP-Injektionen bei Kniearthrose berichtet NICE: keine größeren Sicherheitsbedenken, aber die Wirksamkeits-Evidenz ist in der Qualität begrenzt; daher soll das Verfahren (im NHS-Kontext) nur mit besonderen Vorkehrungen zu Aufklärung und Evaluation eingesetzt werden.
Auch der AAOS-Technologieüberblick beschreibt, dass PRP in Studien teils statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo zeigte, die Ergebnisse gegenüber anderen Behandlungen aber variieren und die Literatur Limitationen hat.

Praktisch heißt das: Bei ausgewählten Patient:innen – häufig eher bei leichter bis moderater Arthrose – kann eine Symptomverbesserung möglich sein. Eine „Knorpel-Neubildung“ oder sichere Vermeidung von Operationen kann jedoch nicht versprochen werden.

Tennisellenbogen (Epicondylitis)

Bei lateraler Ellenbogen-Tendinopathie betont der BESS-Behandlungspfad, dass Physiotherapie die einzige starke Empfehlung über bestehende Leitlinien hinweg ist.
Für PRP wird in diesem Pfad explizit angeführt, dass Patient:innen darüber informiert werden sollen, dass es keinen Evidenznachweis eines Nutzens gegenüber Placebo gibt.

Praktisch heißt das: PRP/ACP kann im Einzelfall erwogen werden – aber besonders wichtig ist hier, zuerst konsequent auf Belastungssteuerung, Übungs-/Physiotherapie und Zeit zu setzen.

Fersenschmerz/Plantarfasziopathie („Fersensporn“)

Die Evidenz ist insgesamt heterogen: Ein Überblick über systematische Reviews berichtet, dass PRP im Vergleich zu Kortikosteroid-Injektionen vor allem langfristig bessere Schmerzwerte zeigen kann, kurzfristig aber oft kein klarer Unterschied erkennbar ist.
Eine große Meta-Analyse (RCT-basiert) fand PRP gegenüber Placebo und einigen anderen Verfahren teils bessere Schmerz-/Score-Verbesserungen, zugleich aber nicht in allen Messgrößen eine klare Überlegenheit.

Vorteile, Grenzen und realistische Erwartungen

Mögliche Vorteile

  • Verwendung von körpereigenem Material (autolog) → in der Regel sehr gute Verträglichkeit
  • Minimalinvasives Verfahren, meist ambulant
  • Kann – je nach Diagnose – Schmerz und Funktion verbessern und Rehabilitation unterstützen

Grenzen

  • Wirkung ist nicht garantiert und hängt stark von Diagnose, Stadium und Aufbereitung/Protokoll ab
  • Bei manchen Indikationen (z. B. Tennisellenbogen) ist der Nachweis eines Zusatznutzens gegenüber Placebo derzeit schwach
  • Es bleibt häufig eine Baustein-Therapie: Training/Physio, Belastungsanpassung und ggf. weitere Maßnahmen sind weiterhin zentral

Mögliche Nebenwirkungen und wann Vorsicht geboten ist

Häufige, meist vorübergehende Reaktionen

  • Schmerzen/Druckgefühl an der Injektionsstelle
  • Schwellung, Wärmegefühl, kurzfristige Reizung

Seltene Risiken

  • Infektion, Bluterguss, Nerven-/Gefäßreizung (wie bei Injektionen allgemein)

Vorsicht/Abklärung besonders bei

  • akuten Infekten im Behandlungsgebiet
  • Gerinnungsstörungen, ausgeprägter Thrombozytenmangel
  • relevanter Blutverdünnung/Antikoagulation (individuelle ärztliche Entscheidung)
  • ungeklärten Tumorerkrankungen oder systemischen Erkrankungen (je nach Situation)

Nach der ACP/PRP-Injektion: Verhalten & Medikamente

Die Nachbehandlung richtet sich nach Region und Befund. Häufig empfohlen: kurze Schonung, dann stufenweiser Belastungsaufbau und – je nach Indikation – begleitende Physio-/Trainingstherapie.

Thema Entzündungshemmer (NSAIDs):
Es gibt Hinweise, dass bestimmte NSAIDs die Plättchenfunktion beeinflussen können; eine offene Review-Arbeit beschreibt, dass NSAIDs mit COX-1-Aktivität die Plättchenaggregation hemmen können und betont die klinische Relevanz der Medikamentenanamnese rund um PRP-Injektionen.
Wichtig: Ob und wie lange Medikamente pausiert werden sollen, muss immer individuell ärztlich entschieden werden (v. a. wenn sie aus anderen Gründen notwendig sind).

Kurzer Teaser (optional für „Leistungen“-Übersicht)

ACP/PRP aus Eigenblut ist eine minimalinvasive Therapie, bei der plättchenreiches Plasma aus einer kleinen Blutmenge gewonnen und gezielt in Gelenke oder Weichteilregionen injiziert wird. Sie kann bei ausgewählten Patient:innen z. B. bei Arthrose, Sehnenbeschwerden oder Fersenschmerz die Heilung unterstützen – immer als Teil eines individuellen Gesamtkonzepts.

Medizinischer Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung. Ob eine Eigenblut-/ACP-Therapie in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir nach Diagnose, Befund und gemeinsamer Zielsetzung im Rahmen eines Beratungsgesprächs.

Mein Ziel ist es Ihre Beweglichkeit wiederherstellen, Schmerzen zu lindern, Sportverletzungen zu behandeln, und Prävention zu fördern.